Zurück zu News

Revision des Erbrechts per 1. Januar 2023: Muss ich nun mein Testament anpassen?

Ausschnitt aus: Génot, François (2014): „Commonplace 3“, www.francoisgenot.com

Die Revision des Erbrechts per 1.1.2023 bringt diverse Neuerungen mit sich. Eine davon betrifft den Kreis der pflichtteilsgeschützten Erben und die Höhe der Pflichtteile. Deshalb ist genau zu prüfen, ob ein bereits verfasstes Testament auch unter dem neuen Erbrecht effektiv den letzten Willen des Erblassers zum Ausdruck bringt oder ob Unklarheiten bestehen.

Die Ehegatten Zweifel sind seit 30 Jahren verheiratet und haben eine gemeinsame Tochter Ronja. Verstirbt die Ehefrau und hinterlässt kein Testament, erhalten der Ehemann und die Tochter je die Hälfte des Nachlasses, was dem gesetzlichen Erbteil entspricht. Daran ändert sich mit dem neuen, ab dem 1.Januar 2023 geltenden Erbrecht nichts.

Existiert jedoch ein Testament, welches wie folgt lautet: «Ich setze meine Tochter auf einen Pflichtteil von drei Achteln», erhält die Tochter 3/8 des Nachlasses und der Ehemann den Rest (5/8), wenn die Ehefrau vor dem 1. Januar 2023 stirbt.

Stirbt die Ehefrau jedoch nach dem 1. Januar 2023, wird der Pflichtteil der Kinder kleiner und beträgt nicht mehr 3/4 des gesetzlichen Erbteils, sondern nur noch 1/2. Somit beläuft sich der Pflichtteil von Ronja neu auf 1/4 (1/2 Pflichtteil des gesetzlichen Erbteils von 1/2) anstatt wie früher 3/8.

Pflichtteilsgeschützte Quoten, welche nach dem 1.Januar 2023 gelten

Es stellt sich die Frage, was die Ehefrau mit dem Testament bezwecken wollte bzw. was ihr effektiver letzter Wille war. Wollte sie dem Ehemann möglichst viel überlassen und setzte deshalb die Tochter auf den Pflichtteil? Oder wollte sie der Tochter genau 3/8 des Nachlasses vererben?

Hätte das Testament gelautet: «Ich setze meine Tochter auf den Pflichtteil», wäre damit unmissverständlich zum Ausdruck gebracht worden, dass der Pflichtteil zur Anwendung gelangt, welcher zum Zeitpunkt des Todes gesetzlich gilt. Im vorliegenden Fall wäre das ein Pflichtteil von 3/8 beim Versterben der Ehefrau vor dem 1. Januar 2023 und danach ein Pflichtteil von 1/4.

Beim Verfassen von Testamenten oder Ehe- und Erbverträgen sind unklare Formulierungen zu vermeiden. Dies gilt insbesondere im Hinblick auf die Erbrechtsrevision. Auch bereits verfasste Testamente oder Erbverträge sind darauf hin zu überprüfen und gegebenenfalls anzupassen.

Lesen Sie auch den Blogbeitrag: Neues Erbrecht ab 2023 – alles, was Sie wissen müssen

AMATIN AG  Rechtsanwälte / Rechtsberatung  │  Attorneys at Law / Counselors  │  Conseiller Juridiques / Avocats

AMATIN.® RECHT BERATEN. LEGAL MATTERS. NOUS CONSEILLONS LE DROIT.®   (FAMILY) BUSINESS MATTERS.®  Basel, Switzerland – in the heArt of old Europe and the Swiss Economic Backbone St.Gallen-Zurich-Basel-Lausanne-Geneva

Kontaktpersonen

Kontaktieren Sie unsere Spezialisten

post 1

Martin BoosRechtsanwalt / Advokat, Partner

martin.boos@amatin.ch
+41 61 202 91 91

Email SecureFileTRANSFER
post 1

Roman Kälin-BurgyRechtsanwalt / Advokat, Partner

roman.kaelin-burgy@amatin.ch
+41 61 202 91 91

Email SecureFileTRANSFER
post 1

Michael AngehrnRechtsanwalt / Advokat, Partner

michael.angehrn@amatin.ch
+41 61 202 91 91

Email SecureFileTRANSFER

Nehmen Sie Kontakt auf

Wir stehen Ihnen für Ihre Fragen gerne zur Verfügung.

Kontakt