Zurück zu News

Revision des Erbrechts per 1. Januar 2023: Gibt mein Testament meinen Willen noch immer korrekt wieder?

Ausschnitt aus: Génot, François (2014): „Commonplace 3“, www.francoisgenot.com

Die Erbrechtsrevision bringt diverse Neuerungen mit sich. Eine davon betrifft den Kreis der pflichtteilsgeschützten Erben und die Höhe der Pflichtteile. Deshalb ist genau zu prüfen, ob ein bereits verfasstes Testament auch unter dem neuen Erbrecht effektiv den letzten Willen des Erblassers zum Ausdruck bringt oder ob Unklarheiten bestehen.

Rudolf und Rita leben im Konkubinat (sind nicht verheiratet) und haben drei gemeinsame Kinder. Sofern kein Testament vorliegt und Rita stirbt, erhalten die drei Kinder den gesamten Nachlass zu je einem Drittel. Rudolf hat keinen Erbanspruch. Im Gegensatz zum Ehegatten haben Konkubinatspartner keinen gesetzlichen Erbanspruch. Dies sowohl im geltenden Erbrecht als auch im neuen Erbrecht. Kinder sind aktuell (mit drei Vierteln des gesetzlichen Erbteils), aber auch im revidierten Erbrecht (mit der Hälfte des gesetzlichen Erbteils) pflichtteilsgeschützt.

Rita könnte mit einem Testament bestimmen, dass den drei Kindern der Pflichtteil zusteht und Rudolf den Rest (frei verfügbare Quote) erhalten soll. Dabei könnte es das Ziel von Rita sein, dass die drei Kinder und Rudolf jeweils gleich viel erhalten sollen, nämlich je einen Viertel. Das würde mit dem Testament gemäss heute geltendem Erbrecht auch erreicht, da der Pflichtteil der drei Kinder jeweils einen Viertel beträgt (3/4 Pflichtteil von 1/3 gesetzlichem Erbteil = 3/12 = entspricht 1/4).

Sollte Rita aber nach dem 1.Januar 2023 versterben, beträgt der Pflichtteil der drei Kinder jeweils nur noch 1/6 (1/2 Pflichtteil von 1/3 gesetzlicher Anspruch anstatt ¾ Pflichtteil von 1/3 gesetzlicher Erbanspruch). Konkubinatspartner Rudolf erhält die andere Hälfte des Nachlasses (3/6 = entspricht ½). Es würden somit nicht mehr alle 4 involvierten Parteien (3 Kinder und Konkubinatspartner Rudolf) gleich viel erhalten. Sofern diese Konsequenz unter dem neuen Erbrecht nicht dem Willen von Rita entspricht, muss sie ihr Testament abändern und neu festhalten, dass sowohl Rudolf als auch jedes der drei Kinder jeweils einen Viertel des Nachlasses erhalten soll.

AMATIN AG  Rechtsanwälte / Rechtsberatung  │  Attorneys at Law / Counselors  │  Conseiller Juridiques / Avocats

Kontaktpersonen

Kontaktieren Sie unsere Spezialisten

post 1

Martin BoosRechtsanwalt / Advokat, Partner

martin.boos@amatin.ch
+41 61 202 91 91

Email SecureFileTRANSFER
post 1

Roman Kälin-BurgyRechtsanwalt / Advokat, Partner

roman.kaelin-burgy@amatin.ch
+41 61 202 91 91

Email SecureFileTRANSFER
post 1

Michael AngehrnRechtsanwalt / Advokat, Partner

michael.angehrn@amatin.ch
+41 61 202 91 91

Email SecureFileTRANSFER

Nehmen Sie Kontakt auf

Wir stehen Ihnen für Ihre Fragen gerne zur Verfügung.

Kontakt