KMU

27. Jun. 2019

Lohnfortzahlung bei Nichterscheinen am Arbeitsplatz wegen höherer Gewalt?



Bei einem Nichterscheinen am Arbeitsplatz haben Arbeitnehmende grundsätzlich keinen Anspruch auf Lohnzahlung. Entscheidend ist jedoch die Frage, in wessen Risikosphäre der Grund für die Verhinderung an der Arbeitsleistung liegt.

Im Arbeitsrecht gilt der Grundsatz: "kein Lohn ohne Arbeit". Davon gibt es diverse Ausnahmen.

Eine Ausnahme bildet der "Annahmeverzug" durch die Arbeitgeberin. Dies ist der Fall, wenn die Erbringung der Arbeitsleistung aus einem Grund unmöglich geworden ist, der im Verantwortungsbereich der Arbeitgeberin liegt. Wobei die Arbeitgeberin kein Verschulden treffen muss, mithin auch bei Zufall oder höherer Gewalt. Die Risikosphäre der Arbeitgeberin ist jedoch lediglich dann tangiert, wenn ein Ereignis den Betrieb spezifisch betrifft. In einem solchen Fall hat die Arbeitgeberin die Lohnzahlung trotz fehlender Arbeitsleistung für die ganze Dauer der Verhinderung vorzunehmen. Ist es beispielsweise einer Fluggesellschaft wegen einem Naturereignis (z.B. Vulkanausbruch) nicht möglich, den Flugbetrieb aufrecht zu erhalten und die Mitarbeitenden zu beschäftigen, trägt sie das Risiko für die höhere Gewalt und hat die Lohnzahlung vorzunehmen.

Im Umkehrschluss hat die Arbeitgeberin dann keine Lohnfortzahlungspflicht, wenn die Arbeitsverhinderung in der Verantwortungssphäre des Mitarbeitenden liegt. Dies mit dem sozialen Korrektiv in Fällen, wo die Arbeitsunfähigkeit in der Person des Mitarbeitenden liegt und diesen kein Verschulden trifft (unter anderem bei Krankheit und Unfall).

Kommt beispielsweise ein Mitarbeiter wegen einem Naturereignis (z.B. Vulkanausbruch) und der damit verbundenen verschobenen Flugreise mit einigen Tagen Verspätung aus den Ferien zurück, hat er dafür keinen Lohnanspruch. Auch wenn in der Praxis in solchen Fällen die Fehltage oft mit dem jeweiligen Ferienguthaben verrechnet werden, sollte im Einzelfall geprüft werden, inwiefern der Erholungszweck gegeben ist und sich eine Verrechnung mit dem Ferienguthaben rechtfertigt.

Weilt der Arbeitnehmende auf Geschäftsreise, hat die Arbeitgeberin den Lohn normalerweise selbst bei Verhinderung an der Arbeitsleistung - zum Beispiel durch eine verzögerte Flugreise aufgrund eines Naturereignisses - zu bezahlen, weil der Arbeitnehmer im Dienste der Unternehmung (und nicht privat) unterwegs war.

SPEED READ: Salary in the event work is not possible.

SUPErLiRE: Salaire en cas d'empêchement de travailler.

Contact: Roman Kälin-Burgy, Martin Boos,

AMATIN AG Rechtsanwälte │ Attorneys at Law │ Conseiller Juridiques/Avocats

Für Firmen/KMU und Privatpersonen. │ For companies and individuals. │ Pour particuliers et PME/entreprises. +41 61 202 9191 contact@amatin.ch

Quellenhinweis zur Abbildung & Copyright: Little Matterhorn auf Mauritius, AMATIN AG, 2019. 

AMATIN. RECHT BERATEN. LEGAL MATTERS. NOUS CONSEILLONS LE DROIT.® Basel, Switzerland - in the heArt of the Swiss Economic Backbone Zurich-Basel-Geneva

 

Letzte Beiträge KMU
Tags
Archiv
Übersicht

AMATIN AG Rechtsanwälte

Lange Gasse 15

4002 Basel, Switzerland

AGB